1. Dental Phobie
  2. Zahnarztphobie

Eine Frage der Definition

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen der „normalen“ Angst vor dem Zahnarzt und einer ausgeprägten Zahnarztangst bzw. Dentalphobie? An dieser Frage scheiden sich nicht nur fachlich versierte Geister, auch Betroffene selbst können sich zuweilen schwer einordnen. Die Begrifflichkeiten einmal genauer zu betrachten, hilft, ein besseres Verständnis für das Thema zu bekommen.
Zahnangstangst ist etwas anderes als Unwohlsein.

Beginnen wir damit, ein grundlegendes Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Es ist ein Missverständnis von Begriffen und deren Bedeutung.
Zahnarztphobie kann auch als Zahnarztangst bezeichnet werden, daher der oft verwendete Bergriff des „Angstpatienten“. Allerdings fehlt meistens die Differenzierung bzw. Abgrenzung der Begrifflichkeiten „Zahnarztangst“ und „Zahnarztfurcht“ zueinander.

Ein Großteil aller Menschen, denen ein Zahnarztbesuch bevorsteht, verbindet damit unangenehme Emotionen, also Furcht oder Unbehagen. Diese Gefühle sind jedoch nicht so stark ausgeprägt, dass sie die Betroffenen vom Besuch der Praxis abhalten könnten. Das ist gut vergleichbar mit Menschen, die sich zwar nicht gerne Blut abnehmen lassen, sich letztlich aber doch ohne übermäßigen emotionalen Aufwand überwinden. Eben weil das Vorhaben keine übermäßig starken Emotionen auslöst, sondern lediglich als störend, vielleicht auch lästig empfunden wird. Liegt dagegen eine Zahnarztphobie vor, haben wir es mit ganz anderen Dimensionen zu tun. Die Gefühlslage von Patienten, die eine Phobie entwickelt haben, ist extrem, vernünftiges Handeln kaum mehr möglich, zumindest dann nicht, wenn es um den Zahnarzt geht. Um es an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen: Zahnarztphobie hat nichts mit Schuld zu tun. Die Ursachen dieser Phobie sind vielfältig, in einem Punkt kann man jedoch ganz klar konstatieren: Niemand kann für seine Zahnarztphobie im klassischen Sinne verantwortlich gemacht werden, es gibt schlicht keine Schuldfrage, die zu klären wäre.

Woher kommt Zahnarztphobie?

Es ist nicht übertrieben, wenn man Angstpatienten als panisch beschreibt. Sie müssen nicht einmal eine Zahnarztpraxis betreten, um gewissermaßen „durch die Hölle zu gehen“. Alleine der Gedanke an den Zahnarzt, an die Gerüche, die Geräte, die Geräusche lässt sie erzittern, Schweißausbrüche durchleben und eine Form der Angst empfinden, die der der sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sehr nahe kommt.
Natürlich sind die Ursachen für Zahnarztphobie nicht stellvertretend für alle Patienten gleichermaßen zu benennen, jeder Patient, jede Patienten, hat seine bzw. ihre ganz eigene Geschichte. Dennoch lässt sich festhalten, dass die Gründe für die Angst vor dem Zahnarzt meist in der Kindheit zu suchen sind.

Oft sind es traumatische Erfahrungen, die ein Kind sammeln muss, die dann zu einer dauerhaft auftretenden Phobie führen. Der Fehler kann beim Zahnarzt liegen, der nicht kindgerecht auf die Ängste des kleinen Patienten eingeht. Er kann aber auch bei früheren Behandlungen liegen, von denen der nun behandelnde Zahnarzt nichts weiß. Die Folgen sind weitreichend und gravierend. Eine Zahnarztphobie verschwindet nicht ohne weiteres wieder, sie ist vielmehr ein stetig wiederkehrendes Gefühl, das ohne Hilfe nicht in den Griff zu bekommen ist.

Welche Rolle die Gene bei Zahnarztangst spielen

Im Falle der Posttraumatischen Belastungsstörung haben Forscher entdeckt, dass auch die Gene eine Rolle dabei spielen, wie stark oder belastend eine Situation empfunden wird. Das ist auch bei Zahnarztphobien so.
Doch zunächst ist es das Gehirn, das verantwortlich für eine nicht gewollte Entwicklung ist. Wenn es nicht in der Lage ist, traumatisierende Situationen richtig einzuordnen, kommt es zu einer Überforderung, das Gehirn nimmt mehr Informationen auf, als es verarbeiten kann. So prägen sich schmerzhafte Erlebnisse so stark in die Wahrnehmung ein, dass sie bei der nächsten vergleichbaren Situation (und sei es nur das Empfinden der Vergleichbarkeit) in extremer Form wieder „abgerufen“ und erlebt, empfunden werden.

Doch auch die Gene können mit hineinspielen, wenn Menschen unter Zahnarztphobie leiden. Federführend ist hier ein Protein mit dem Namen FKB5, das dafür sorgt, dass stressbedingte Reaktionen nicht gebremst, sondern verstärkt werden. Zudem verhindert dieses Protein, dass Prozesse in Gang kommen, die beruhigend wirken. Das Gegenteil ist der Fall, der Mensch sitzt sozusagen in der Falle.

Wer ist von Zahnarztphobie betroffen?

Wer betroffen ist, weiß das meist selbst, denn die Emotionen sind so ausgeprägt, dass es für einen Menschen, die phobisch ist, eigentlich keine Erklärung mehr bedarf. Entsprechend den Ergebnissen einer britischen Studie empfinden rund 50 Prozent der Menschen keine oder eine nur sehr schwach ausgeprägte Furcht vor dem Zahnarzt. Gut 35 Prozent leiden schon unter Empfindungen, die als gemäßigte Zahnarztangst bewertet werden können. Und 12 Prozent der Menschen, die zum Zahnarzt gehen (sollten), lassen sich der Gruppe der Menschen mit Zahnarztphobie zuordnen.

Es ist nicht entscheidend, ob der Prozentsatz der Menschen mit Zahnarztangst ein wenig höher oder niedriger liegt. Wichtig ist der richtige Umgang mit ihnen. Menschen mit Zahnarztphobie brauchen eine besondere Behandlung, in den meisten aller Fälle verbunden mit einer Vollnarkose.

Es ist übrigens nicht zwingend so, dass eine Zahnarztphobie ein Leben lang anhält. Wenn die richtigen Behandlungsmethoden gewählt werden und auch bei der Nachbehandlung mit der nötigen Sorgfalt und Empathie vorgegangen wird, kann das Problem verschwinden, zumindest aber einen Teil seines Schreckens verlieren. Doch darum sollte es erst später gehen. Zunächst ist von größter Bedeutung, auf die Gefühlslage des Patienten angemessen einzugehen. Dazu später mehr.