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Mein Zahnarzt wollte mich schon als Kind nicht behandeln.

Ein Mann erzählt, dass ihm im Jugendalter von seinem Zahnarzt verdächtig viele Zähne gezogen wurden. Andere Behandlungsoptionen schienen für den Zahnmediziner keine Option zu sein. Der Betroffene leidet noch heute unter starker Zahnarztangst.

Oft ist es ja so, dass man als Kind schlimme Besuche beim Zahnarzt erlebt. Dann kriegt man Angst und traut sich nicht mehr hin. Aber bei mir war das anders, ich hatte eigentlich gar keine so große Angst.

War zwar jetzt auch nicht so, dass ich es toll fand, zum Zahnarzt zu gehen, aber es ging schon, ich fand es nicht so dramatisch. Aber mein Zahnarzt war echt komisch drauf. Ich war 15 oder 16, so genau weiß ich das nicht mehr. Jedenfalls wollte der Zahnarzt mich irgendwie nicht mehr behandeln. Er fand wohl, dass es besser wäre, wenn er mir Zähne zieht.

Und so kam es dann, dass mir nach ein paar Besuchen beim Zahnarzt auch ein paar Zähne fehlten, der Typ hat sie mir einfach gezogen. Ich weiß immer noch nicht, ob die wirklich alle kaputt waren oder warum er das gemacht hat.

Meine Eltern waren auch ziemlich ratlos damals, ich habe sie gefragt, wie sie das finden. Aber sie sagten nur, dass sie sich ja nicht auskennen. Der Zahnarzt würde schon wissen, was er tut und so.

Ich weiß nicht, ob sowas heute noch möglich wäre, vielleicht hat es dem Zahnarzt damals auch mehr Geld gebracht, Zähne zu ziehen statt sie zu behandeln. Ich hab mal gehört, dass es mit Operationen im Krankenhaus ja auch manchmal so ist, dass die Krankenhäuser mehr Geld kriegen, wenn sie operieren.

Aber das kann doch eigentlich nicht sein, auch wenn damals das vielleicht noch anders abgerechnet wurde, ich weiß das ja nicht.

Jedenfalls bin ich dann immer seltener zum Zahnarzt gegangen, wollte ja nicht, dass er immer mehr Zähne zieht. Als ich dann von zu Hause ausgezogen bin, hab ich das mit dem Zahnarzt dann gleich ganz gelassen, war ja keiner mehr da, der mich kontrolliert hat.

Die Angst wurde dann auch immer schlimmer. Das Ziehen tat schon ganz schön weh, und einmal hat er gar nicht richtig gewartet, bis die Betäubung gewirkt hat. Da bin ich dann fast gegen die Decke geflogen, so hat das wehgetan.

Meine Zähne wurden immer schlimmer, und ich hatte ja auch nicht mehr alle im Mund. Das wurde mir dann immer peinlicher, ich hab nicht mehr oft gelacht, weil ich Lücken hatte. Und dann kamen halt auch andere Sachen dazu, die Zähne sahen dann immer schlimmer aus.

Ich frag mich irgendwie immer noch, was damals schief gelaufen ist. Ob der Zahnarzt mich nicht mochte? Oder ob meine Zähne wirklich so schlecht waren? Manchmal denk ich auch, dass ich mich vielleicht einfach nicht richtig benommen hab damals. Aber dann hätte doch mal jemand was sagen können, meine Eltern oder der Zahnarzt. Haben die aber nicht, die haben auch meistens nur mit sich gesprochen, mit mir hat irgendwie niemand geredet.

Ich möchte ja mal wieder zum Zahnarzt gehen, ich würde mir so sehr wünschen, dass meine Zähne besser wären. Dann könnte ich mal wieder richtig lachen, und das Essen wäre auch einfacher. Vielleicht versuche ich ja mal, eine Vollnarkose zu kriegen, damit wenigstens das Gröbste erst mal erledigt ist.

Aber was mich immer noch so traurig macht, ist dass ich immer noch nicht weiß, was damals, als ich 15 oder 16 war, falsch gelaufen ist. Ich frag mich, ob es an mir lag, aber ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen.

Der Zahnarzt von damals ist jedenfalls schon lange in Rente. Immerhin, dann kann er andere nicht mehr quälen. Wenigstens etwas.